DIY - KOLUMNE

LET’S TALK ABOUT – #zwölffragenan Ulrike von Moritzwerk

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten ●

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Die Nähszene ist in den letzten Jahren immens gewachsen. Das ist eine wahnsinnig vielfältige und interessante Entwicklung. Deshalb habe ich die Interviewreihe LET’S TALK ABOUT ins Leben gerufen. Es gibt Einblicke in die Welt der Kreativköpfe der Nähszene, die auch mich immer wieder inspirieren und deren Schnitte ich gerne nähe. Zwölf Fragen zu Tipps, Tricks, Fails und unserer Gemeinsamkeit, der Faszination für das Nähen und Selbermachen. Es geht um Motivation, Mut und Miteinander. Ich möchte mit dem Interview motivieren etwas selbst zu machen. Kleidung und Accessoires selber zu nähen oder bewusster zu konsumieren. Getreu nach dem Motto meiner Heldin Vivienne Westwood „buy less, choose well …“ Viel Spaß mit dem Interview, denn jede*r fängt einmal irgendwo an! Also lasst euch ermutigen und probiert aus, worauf ihr Lust habt. Tipps der erfahrenen Kreativköpfe inklusive!


1 // Wer bist du, was möchtest du zu dir sagen?

Moin, ich bin Ulrike, 37, Designerin, Betriebswirtin und leidenschaftliche (Näh-) Bloggerin.  Mit meinem Mann, unseren drei Kindern, zwei Kaninchen und ungefähr 15 Fahrrädern lebe und werkle ich am Hildesheimer Moritzberg.

2 // Wann und wie bist du zum Nähen gekommen?

Das Nähen hat mich irgendwie schon immer begleitet. Ich bin sozusagen in einem „Selbermacherhaushalt“ aufgewachsen und habe meiner Mama schon früh beim Nähen der aufwändigsten Teile über die Schulter geschaut und meinem Opa an der alten Tret-Singer beim Schwung holen „geholfen“. Lange Zeit war ich aber viel zu ungeduldig um selbst „richtig“ zu nähen (und erst recht zu stricken, was ich zwischenzeitlich auch immer mal wieder ausprobiere) bis meine Kinder kamen und mit ihnen die Zwangsentschleunigung. Seit ungefähr acht Jahren nähe ich also regelmäßig und seit fast fünf Jahren blogge ich auch darüber.

3 // Wann ist aus dem Hobby Berufung oder auch Beruf geworden? Gab es einen Auslöser?

Aktuell ist das Nähen für mich nur ein Hobby. Die nächsten Monate werden darüber entscheiden, ob „mehr“ daraus wird.

4 // Was fasziniert dich am Nähen?

Vieles. Ich liebe es, Dinge herzustellen und den Entstehungsprozess fast vollständig nachvollziehen zu können. Am liebsten würde ich noch meine eigenen Stoffe herstellen, aber das geht dann wahrscheinlich doch ein Stück zu weit. Dabei war das noch vor hundert Jahren gar nicht so abwegig… Beim Nähen zelebriere ich diese handwerkliche Ursprünglichkeit. Andererseits genieße ich aber auch sehr den Planungsprozess eines neuen Kleidungsstücks. Der ist bei mir oft viel langwieriger als das Nähen selbst, weil ich immer auf der Jagd nach der perfekten Stoff-Schnitt-Stil-Kombination bin. Das kann bei meiner mangelnden Kompromissbereitschaft schon mal länger dauern. Und dann ist da noch dieser kreative Sog, der das Nähen begleitet, und der durch Social Media Kontakte in unserer Näh-Community noch verstärkt wird.

5 // Welches Nähprojekt ist komplett schief gelaufen?

Hm. Der letzte komplette Nähfail ist schon einige Jahre her. Als ich begonnen habe, Kleidung für mich selbst zu nähen, habe ich mal den Fehler gemacht, eine Bluse aus der Ottobre nach meiner Kaufgröße zu nähen… Seither studiere ich die Maßtabellen der einzelnen Anbieter eingehend und passe die Schnitte meinen Maßen an. Die Bluse habe ich meiner Mama geschenkt. Die trägt zwei Konfektionsgrößen kleiner als ich.

6 // Was war bisher dein aufwendigstes Nähprojekt?

Das war vermutlich meine Tosti Utility Jacket. Der Schnitt hat schon krass viele Details und Schnittteile mit allem Pipapo. Aber auch die Atenas Jean Jacket war ein aufwändiges, wenn auch nicht gerade kompliziertes Projekt. Und wo wir schon bei Jacken sind, muss ich wohl noch den Blazer Quete erwähnen. Ich mag Projekte, bei denen ich noch etwas neues lernen kann.

7 // Dein ultimativer Tipp für Näh-Neulinge?

Immer schön Schritt für Schritt. Anfänger sollten besser in ein ausführliches und gut gestaltetes Indie-Schnittmuster mit bebilderter Schritt-für-Schritt-Anleitung investieren anstatt an den knappen Anleitungen einiger Nähzeitschriften zu verzweifeln.

8 // Was ist dein liebstes Nähgadget?

Eine wirklich gute Schere. Ich habe inzwischen eine ganze Scherensammlung mit Schneidewerkzeugen in vielen Größen und Formen (und finde trotzdem immer welche, die ich _unbedingt_ noch brauche). Und ordentliche Stecknadeln sowie Stoffclips. Auf alles andere kann man zumindest am Anfang noch wirklich gut verzichten.

9 // Was darf in deinem Nähbereich auf keinen Fall fehlen?

In erster Linie Platz zum Zuschneiden und Ablagefläche, wo man laufende Projekte auch mal ein Weilchen „reifen“ lassen kann. Beides habe ich momentan nicht. Aber mein neues Nähzimmer ist zum Greifen nahe…

10 // Woher oder von wem nimmst du deine Inspiration?

Vieles nehme ich unbewusst durch die Näh-Community oder ganz normal „draußen“ auf. Manchmal ist der Blick auf ein bestimmtes Material schon Inspiration genug. Wenn ich konkrete Ideen für ein Projekt suche oder herausfinden möchte, ob aus der fixen Idee in meinem Kopf wirklich ein tragbares Kleidungsstück werden kann, verbringe ich aber viele Stunden auf Pinterest und Instagram und pinne mich um Kopf und Kragen.

11 // Hast du einen Näh-Trick, den du verrätst?

Wenn das Nähfüßchen an einer Stoffstufe hängen bleibt und nur noch auf der Stelle näht, schiebe ich hinten einen leeren Nadelbehälter unters Füßchen, dann näht es ganz sauber über die Stufe hinweg. Und wenn am Nahtanfang der Stoff nicht richtig transportiert wird, hilft es, den Unterfaden ganz sanft nach hinten zu ziehen. Und Bündchen schneide ich immer nach der 80%-Regel zu: Ausschnitt messen, Ergebnis mit 0,8 multiplizieren und das Bündchen in dieser Länge zuschneiden.

12 // Gibt es eine Frage die ich nicht gestellt habe, die du gern beantworten möchtest?

Ein wichtiger Teil meines Blogs ist die SuSe-Reihe, in der ich über nährelevante Nachhaltigkeitsthemen berichte. Letztes Jahr habe ich einige Bloggerinnen zum Thema „Nachhaltiges Nähen“ interviewt und immer wieder gibt es informative Beiträge zu Stoffen und Materialien. Zuletzt habe ich Baumwolle und Denim beleuchtet. Als nächstes soll es um Tencel gehen. Und warum ich nicht mit Stoffen aus Kunstfasern arbeite, werde ich auch irgendwann noch erklären.


Weitere Infos und Inspiration findest du auf:
www.moritzwerk.de // Moritzwerk – Sustainable Sewing


Liebe Ulrike, vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast. Gerade den Bereich Nachhaltigkeit finde ich total spannend. Im Übrigen hast du mich erst wieder zum Stofffärben gebracht. Danke dafür. Die Upcycling-Projekte sind so toll. In dem Bereich würde ich auch gerne sehr viel mehr machen. So lange lasse ich mich von dir inspirieren. Außerdem bin ich absolut begeistert von deiner Maßgeberin – Aktion.

2 Kommentare

  • fetzich

    In Ulrikes Aussagen finde ich mich auch wieder und träume ebenfalls von einem Ort, wo meine Projekte „reifen“ können. Dann kann sich die Kreativität erst richtig entfalten. Ein sehr sympathisches Interview!
    Viele Grüße
    Jenny

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